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Mit feinstem Handwerk gegen die Kinderarbeit

 

Ein Interview mit Marcel Zelmanovitch, Firmengründer und Inhaber der Teppichgalerie Diurne

Teppichgalerie Diurne

Dass sich Schönheit, Qualität und Moral nicht nur nicht ausschließen, sondern sogar gegenseitig bedingen – davon ist Marcel Zelmanovitch, Firmengründer und Inhaber der „Teppichgalerie Diurne“ überzeugt. Und mit dieser Überzeugung revolutionierte der gelernte Maler und Künstler von Paris aus nicht nur die Welt der exklusiven Teppichexponate, sondern auch die der kleinen Manufakturen und Knüpfstühle im nepalesischen Katmandu.

Eigentlich an Leinwände und Farbtöpfe gewöhnt, verliebte sich Zelmanovitch Ende der 80er Jahre auf Reisen nach Katmandu in das feine, weiche Teppichmaterial und entdeckte sein Interesse für die lange Geschichte der Teppichkunst, die über tibetanische Mönche ihren Weg nach Nepal gefunden hatte. 1990 wurde aus dieser Liebe ein Lebensprojekt: Zelmanovitch startete mit einer eigenen Manufaktur in Katmandu. Anfangs fuhr der Künstler aus Paris, der sich fortan „Teppich-Herausgeber“ nennt, fast alle drei Monate in den Bergstaat am Himalaya. Mit dem Wachstum, das die Galerie Diurne in den vergangenen Jahren verzeichnet hat, ist das für den Chef heute nicht mehr machbar. Doch der enge Dialog zu den Mitarbeitern im fernen Nepal ist geblieben – und nicht selten kommen heute die Produzenten auch schon mal zu Geschäftsbesprechungen nach Paris.

Keine Billigware

Handarbeit statt Maschinen, Maßarbeit und Qualität statt Massenware, hochwertige Produkte statt billiger Erzeugnisse – das macht das Erfolgsgeheimnis der Galerie Diurne aus. Und ist zugleich eng mit der Geschäftsmoral verknüpft – denn Kinderarbeit gibt es bei Diurne nicht. „Das wäre auch gar nicht möglich“, sagt Zelmanovitch. „Diese Form der hochwertigen Handarbeit kann nur von äußerst erfahrenen und erwachsenen Knüpfern geleistet werden.“ Diese Erkenntnis, so Zelmanovitch weiter, habe sich inzwischen auch anderswo in Nepal durchgesetzt. „Immer mehr wird dort auf Qualität gesetzt, Kinderarbeit ist heute viel schwerer zu finden, als noch vor einigen Jahren.“

Dabei waren die Anfänge auch für die Galerie Diurne gar nicht so einfach. Die Idee, eine Schule in der Manufaktur vor Ort zu eröffnen, erwies sich schon bald als Fehlschlag. Die Eltern, die anfangs als Knüpfer dort beschäftigt waren, wollten, dass auch ihre Kinder mitarbeiten. „Das war eine ganz andere Einstellung damals“, erinnert sich Zelmanovitch, „ und es zeigt, dass es nicht immer nur die Unternehmer waren, die die Kinder zur Arbeit zwangen.“ Zelmanovitch jedenfalls lehnte das Ansinnen rundweg ab und beschäftigte nur noch solche erwachsenen Knüpfer, die bereit waren, ihre Kinder nicht mitzubringen. 

Hoch motivierte Mitarbeiter

Heute, 20 Jahre später, ist alles anders. Zel- manovitch hat vor Ort in Nepal ein eingespieltes Team aus er- fahrenen Knüpfern, die allesamt stolz darauf sind, für Diurne zu arbeiten und hochwertige Erzeugnisse zu liefern. „Je komplizierter ein Muster ist, desto motivierter sind unsere Mitarbeiter“. Und neue Bewerber gibt es auch immer wieder. Denn die guten Arbeitsbedingungen und die angemessenen Löhne, die in der Manufaktur bezahlt werden, haben sich herumgesprochen. Zwischen 80 und 250 US-Dollar pro Quadratmeter bekommt ein Knüpfer je nach Raffinesse der Aufgabe – durchschnittlich sind pro Tag etwa fünf Zentimeter zu schaffen, sagt Zelmanovitch. Mit dem Lohn liege man um das 2-3fache über dem Mindestgehalt. Seit sieben Jahren tragen die Diurne Teppiche das GoodWeave-Siegel. „Anfangs wollte ich da nicht mitmachen“, sagt Zelmanovitch, „weil ich es unzumutbar fand, dass man mir überhaupt unterstellt, ich könnte Kinder beschäftigen. Für mich war es einfach selbstverständlich, das nicht zu tun, und das meinen Kunden auch direkt zu erklären.“

Entscheidung für das Siegel

Doch besonders die Kundschaft aus den USA, Großbritannien und Deutschland zeigte sich sensibel für das Thema. Und je größer Diurne wurde, umso schwieriger wurde es auch, jedem Kunden persönlich die eigene Geschäftsphilosophie nahe zu bringen. Und so entschied sich Zelmanovitch schließlich doch für das Siegel. Bereut hat er es bis heute nicht. „Ich finde es besonders gut, dass GoodWeave sich zwar gegen Kinderarbeit einsetzen, nicht aber gegen die Teppichproduktion in Nepal.“ Denn die sei für das kleine Land als Wirtschaftszweig äußerst wichtig, weiß der Geschäftsmann aus Paris.

Jeder Teppich, der für Diurne produziert wird, ist ein aus handgesponnener Wolle geknüpftes Unikat. Gearbeitet wird mit Angora oder Mohair und mit Seide. Der Kunde bestimmt Farbe und Design seines Teppichs selbst. In der Pariser Zentrale entstehen die Modelle als detailgenaue Simulationen am Computer. Was mit soviel Akribie, Kreativität und Können hergestellt wird, hat natürlich auch seinen Preis: Zwischen 400 und 3200 Euro kann ein Teppich der Galerie Diurne pro Quadratmeter kosten. Doch die Kunden, die auf Diurne zukommen, können sich das leisten – darunter sind Luxushotels, aber auch Büros oder große öffentliche Einrichtungen, wie etwa das Kulturzentrum der Agha Khan Stiftung im kanadischen Ottawa. Dort entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekten Teppichkunst, die nun Böden und Wände des Zentrums schmückt. 

Teppiche als Kunst

Denn tatsächlich ist ein Teppich von Diurne nichts, was man sich einfach unter den Tisch legt, oder das nur dazu dient, die Füße warm zu halten. Diurne setzt auf Teppichkunst, und dabei eben auch auf große Teppiche als Wanddekorationen. Und da werde die Nachfrage in jüngster Zeit immer größer, sagt Zelmanovitch: „Teppich sind von ihrem Ursprung her eigentlich Schmuckstücke. Jetzt kommt man wieder zurück auf die alte Tradition.“ Der Galerie Diurne in Paris, den Teppichknüpfern in Katmandu und den Kindern von Nepal soll es recht sein.

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