
Auf der Domotex, der internationalen Teppichmesse, stellen Sie im Janaur in Hannover Ihre neue Kollektion vor, die Sie zusammen mit dem Künstler Achim Kobe entwickelt haben.
An der Arbeit des Berliner Künstlers Achim Kobe gefällt mir besonders, wie er mit Farben und Flächen umgeht. Seine Bilder wirken wie Textilentwürfe für Teppiche; sie sind eine Projektionsfläche für Licht und Schatten, auf der er Streifen kunstvoll dekoriert.
Unsere neue Linie AS SIMPLE AS eröffnet ein ganz neues Feld in unserem Sortiment. Die monochromen Teppiche bringen die Schönheit der tibetischen Hochlandwolle zur Geltung. Materialmixe und Fabrmischungen erzeugen schöne Oberflächeneffekte, die mit verschiedenen Abschlüssen frei kombinierbar sind.
Unsere Reihe STORIES mit erzählerischen Motiven haben wir auch erweitert sowie die klassischen und floralen Muster.
Lassen Sie sich durch die Wünsche Ihrer Kunden anregen?
Innenarchitekten arbeiten gern mit sehr reduzierten Designs und einer großen Bandbreite von Farben. Die reihe AS SIMPLE AS ist davon inspiriert und geht auf diese speziellen Bedürfnisse ein. Einige privatkunden bestellen Sonderanfertigungen und bringen eigene Ideen ein. Wir beraten gerne und wenn uns etwas gefällt, nehmen wir es auch in unsere eigene Kollektion auf.
"Jeder Mensch ist der Sohn seiner eigenen Werke." Mit diesem Zitat des spanischen Schriftsteller Cervantes stellen Sie sich auf Ihrer Homepage vor.
Cervantes Zitat passt sehr gut zu meiner Haltung, mit der ich REUBER HENNING betreibe. Ich möchte Verantwortung übernehmen für die Produktion, das Material und die Authentizität der Teppiche.
Was fasziniert Sie besonders an der tibetischen Knüpftradition?
Die Knüpftradition ist sehr alt und aufwendig. Das fasziniert mich. Die Produktion wurde über Generationen hinweg überliefert und kat sich kaum verändert. Teilweise wird moderen Technik eingesetzt, wie zum beispiel beim rendering. Da heutzutage viel in Masse produziert wird, hat die zeitaufwendige Anfertigung von Einzelstücken eine besondere Anziehungskraft.
Das Manufaktursystem in Nepal eigent sich sehr gut für die Herstellung des modernen Teppichs, besonders bei der Anfertigung von Einzelstücken. Die Kommunikation mit den Manufakturen in Nepal klappt hervorragend.
Sie verzichten auf eine chemische Behandlung Ihrer Teppiche und verwenden ausschließlich Naturfasern. Warum haben Sie sich für diese Herstellungsweise entschieden?
Hauptsächlich weil wir die Schönheit des Materials erhalten möchten. Wir finden, dass die Wolle mit all ihren Farbeinschlüssen und Unregelmäßigkeiten zur Geltung kommen soll. Reine Naturfaser setzen wir als Stilelement ein. Auch wegen ökologischer Gesichtspunkte verzichten wir auf nachträgliche Aufrüstung oder eine Wäsche mit Chemikalien.

Aus welchem Grund haben Sie sich für die Zusammenarbeit mit GoodWeave entschieden?
Als ich angefangen habe, Teppiche herstellen zu lassen, war es für mich Voraussetzung, fair gehandelt zu produzieren. Ich möchte zu dem stehen, was ich mache und könnte es nicht mit mir vereinbaren, Teppiche zu verkaufen, die aus Kinderarbeit stammen. Deshalb ist mir wichtig, dass hinter meiner Arbeit das Label steht, dem ich selbst vertraue. GoodWeave als Organisation ist in der Lage die Arbeitsbedingungen regelmäßig zu überprüfen und zu verbessern.
Wir haben damals von Rugmark (jetzt GoodWeave) Adressen von lizensierten Exporteuren bekommen. Wir sind also über GoodWeave zu unserer Manufaktur gekommen.
Was müsste Ihrer Meinung nach geschehen, damit sich die Situation vor Ort in der Teppichproduktion nachhaltig verbessern kann?
Ich glaube, dass besonders die politische Situation in Nepal die Beständigkeit und den Fortschritt in der Produktion erschwert. Auch Stromausfälle und die Ressourcenknappheit behindern den Prozess. Wünschenswert fände ich eine offizielle Knüpferausbildung mit einheitlichen Standards. Dies würde die Tätigkeit des Knüpfens zu einem allgemein akzeptierten Beruf machen.
Neben der Arbeitssituation ist es wichtig, Umweltstandards zu integrieren, vor allem bei der Wäsche der Teppiche. Solaranlagen wären ebenfalls wichtig um die Menschen unabhängig von der unsicheren Stromversorgung zu machen und hell ausgeleuchtete Arbeitsplätze zu schaffen.
Wie reagieren Ihre Kunden auf das GoodWeave-Siegel?
Interessant ist es, dass besonders Menschen, die Kinderzimmer einrichten möchten, häufig nach dem Siegel fragen. Es gibt auch Kunden, die über GoodWeave von uns erfahren. Sie haben uns auf der GoodWeave-Homepage entdeckt und kommen dann zu uns.
Weitere Informationen finden sie unter www.reuberhenning.de